Tel. 089 / 4130 08 - 0
Fax 089 / 4130 08 - 20
Praxisgemeinschaft
Hormon- und Stoffwechselzentrum
Residenzstr. 3 · 80333 München
Zertifiziert nach DIN EN ISO, DDG

Die wichtigsten Therapieformen

Als erfahrene Endokrinologen sind wir uns der Bedeutung der Behandlung mit Hormonen bewusst. Und wir wissen auch: Die individuelle Therapieeinstellung und -überwachung unserer Patienten ist von größter Bedeutung. Eine gemeinsame Therapieentscheidung, die sich nach Ihren persönlichen Voraussetzungen, Wünschen und Umfeldbedingungen richtet, ist unser Ziel.

Folgende Kurzbeschreibungen geben einen Überlick über mögliche Therapieformen. 

Diabetes kann zwar nicht geheilt werden, aber durch die richtige Therapie können die Symptome gelindert bzw. die Folgeerkrankungen weitestgehend vermieden werden. Die Art der Therapie kann bei den verschiedenen Formen von Diabetes unterschiedlich sein, im Vordergrund steht jedoch immer die Kontrolle und Anpassung des Blutzuckerspiegels.

Durch die Entwicklung der Insulin-Analoga haben sich inzwischen entscheidende Veränderungen für die Therapie des insulinabhängigen Diabetes ergeben. Die schnell wirksamen Insulin-Analoga verfügen über eine raschere und kürzere Wirkung und ermöglichen damit eine wesentlich einfachere und für den Patienten praktischere Therapie als das 1920 entdeckte Insulin. Die langwirksamen Analoga haben eine konstantere und länger anhaltende (24 Stunden) Wirkung und bieten praktische Vorteile sowie Erleichterungen für die Zuckereinstellung.

Als Weiterentwicklung der Insulin-Analoga ist ein Insulin-Spray (Exubera) schon zugelassen und bietet eine dem injizierbaren Insulin ähnliche Wirkung, allerdings mit dem Nachteil, dass eine im Vergleich ca. 10 Mal höhere Dosis benötigt wird. Exubera wurde deshalb aus dem Markt genommen, war aber möglicherweise der Vorreiter einer neuen Verabreichungsform.

Die Gruppe der oralen Antidiabetika (Metformin, Sulfonylharnstoffe, Glitazone, Acarbose) wurde durch die Inkretine entscheidend erweitert, die die positive Wirkung der Magen-Darm-Hormone auf den Blutzucker-Stoffwechsel verstärken und die Insulin-Ausschüttung verbessern, ohne negative Wirkungen wie Gewichtszunahme oder Unterzucker zu haben.

Die Inkretine (GLP-1-Agonisten, DPP-4-Hemmer) als gastrointestinale Hormone mit Blutzucker senkender Wirkung sind zur Behandlung des Diabetes Typ 2 zugelassen. Die GLP-1 (Glucagon-like-Peptid)-Agonisten wie Exenatide und Liraglutide und die sogenannten DPP-4-Hemmer Sitagliptin, Vildagliptin und Saxagliptin sind eine wichtige Neuerung, die eine langwirksame Blutzucker-Senkung und, im Gegensatz zu Insulin, eine Gewichtsabnahme bewirkt. Die Entwicklung einer künstlichen Bauchspeicheldrüse, d. h. gezüchteter Insulin produzierender Zellen, wird derzeit noch erforscht; lediglich die Transplantation von Inselzellen wurde in vielen Fällen schon erfolgreich durchgeführt.

Tragbare Insulinpumpen, die Alternative zur künstlichen Bauchspeicheldrüse, sind aber schon für viele Diabetiker zu einer praktischen und wichtigen Hilfe geworden.

Vom richtigen Umgang mit Diabetes

Unverzichtbar für eine erfolgreiche Diabetes-Therapie sind Schulungen, diätetische Maßnahmen und Bewegungssteigerung. Jeder Diabetiker sollte heute an einer strukturierten Schulungteilnehmen, die auf den Patienten abgestimmt wird (Diabetes Typ 1 oder 2; mit oder ohne Insulin, Schwangerschaftsdiabetes, Kinder- und Insulinpumpentherapie). Erst damit lassen sich die Möglichkeiten der Therapie ausschöpfen. Die Therapie-Ziele sind eine normale Einstellung des Blutzuckers (nüchtern < 110, nach dem Essen < 160), des HbA1c (6,5 – 7 % (Typ 2), < 6,0 % (Typ 1) sowie eine Normalisierung der Blutdruckwerte (< 130 / 80 mmHg), der Blutfettwerte (Cholesterin < 200, HDL > 50, LDL < 110 und Triglyzeride < 200 mg%) und des Körpergewichts (< 27 kg/m2 BMI). Im Rahmen der Schulung lernen die Patienten, durch regelmäßige Blutzuckerselbstkontrollen Spätfolgen vorzubeugen. Dabei sollte die Blutzuckereinstellung in regelmäßigen Abständen durch den Hausarzt bzw. durch den Diabetologen oder Endokrinologen überprüft werden.

Die positiven Wirkungen jeder Form von Bewegung liegen in dem Blutzucker senkenden und Cholesterin verbrauchenden Effekt. Der Zuckerverbrauch steigt durch die Beanspruchung der Muskulatur ohne Insulinverbrauch. Infolgedessen sinken der Insulinbedarf oder ggf. die Insulinausschüttung. Gleichzeitig wird die Insulinwirkung in der Leber erhöht. Die Fettverbrennung wird angeregt und es kommt damit zur Gewichtsabnahme.

Die Therapie der Osteoporose besteht in der Gabe von Kalzium und Vitamin D, sowie je nach Ausmaß, in der zusätzlichen Gabe von Knochenabbau hemmenden Medikamenten (sog. Bisphosphonate).

Als Therapiealternative sind die selektiven Östrogen-Rezeptor-Blocker (SERMS) einsetzbar, weitere Entwicklungen sind Parathormon und Strontium (Strontiumranelat) als Knochen aufbauende Medikamente, nachdem Östrogene als Osteoporosetherapie wegen der möglichen Nebenwirkungen nur noch bei spezieller Indikation (z. B. Wechselbeschwerden und Osteoporose) indiziert sind.

Schon seit längerem ist bekannt, dass die regelmäßige Erneuerung der Knochenmatrix auf einem komplexen Zusammenspiel spezieller Knochenzellen beruht: Neben Osteoklasten (verantwortlich für Knochenabbau) und Osteoblasten (verantwortlich für Knochenaufbau) spielen auch Osteozyten eine Rolle. Um seinen Effekt zu modulieren und die physiologische Balance aufrecht zu erhalten, sondern die Osteoblasten ein weiteres Protein – das Osteoprotegerin (OPG), das als „Abfang"-Rezeptor agiert – ab. OPG bindet an RANKL, das von den Osteoblasten gebildete Protein, das sogenannte Receptor Activator of Nuclear Factor Kappa B Ligand (RANKL), das der Signalüberträger von Osteoblasten zu Osteoklasten ist. RANKL stellt demzufolge den primären Mediator von Knochenabbau dar, der langfristig zu Osteoporose führt.

Eine neue Substanz (Denusomab) wird bald als eine Knochenaufbau fördernde Substanz zugelassen werden.Denosumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der im Knochenstoffwechsel die Effekte von Osteoprotegerin (OPG) imitiert.

Die Schilddrüse ist eine der wenigen Drüsen, die sich durch Hormongabe sicher und ohne Nebenwirkungen ersetzen lässt. Zur Behandlung der Schilddrüsen-Unterfunktion wird die Einnahme von Thyroxin empfohlen, die Verwendung von sog. Mischpräparaten (T3/T4-Mischung) ist nur selten erforderlich. Bei der Behandlung des normalen Kropfes sollte die Jodid-Therapie aus physiologischen Gründen (Jodmangel) bevorzugt werden. Die Therapie der Schilddrüsen-Überfunktion sollte heute allein mit Schilddrüsen hemmenden Medikamenten (Thyreostatika) ohne Zugabe von Schilddrüsenhormonen durchgeführt werden.
Sexualhormone gehören in Deutschland zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Die bekannteste Hormontherapie in diesem Bereich ist die Pille, die sich seit ihrer Einführung in Bezug auf Dosis, Sicherheit und Nebenwirkungen deutlich verbessert hat. Doch trotz aller Verbesserungen bleiben das Risiko von Nebenwirkungen und eine erhöhte Brustkrebsgefahr bestehen. Beides kann nur durch eine genaue Befragung, Untersuchung und regelmäßige Vorsorge gemindert werden. Erstaunlich ist, dass die Pille im Bewusstsein der Menschen sehr häufig nicht als Medikament und schon gar nicht als Hormonpräparat angesehen wird. Die Folge: Nebenwirkungen oder Risiken werden nicht oder völlig unzureichend realisiert.

Dies steht im Gegensatz zur Wahrnehmung der Hormonersatztherapie im Wechsel, die durch die negativen Ergebnisse der Studien (höheres Brustkrebs-, Herzinfarkt- und Thrombose-Risiko) von den betroffenen Frauen sehr kritisch beurteilt wird. Die ärztliche Entscheidung, wenn es darum geht, einer Patientin ggf. zur Hormoneinnahme zu raten, hat sich dadurch deutlich verändert. Die Testosteron-Gabe beim Mann sollte gleichfalls nicht bedenkenlos erfolgen. Sie ist mit einem erhöhten Risiko für ein Prostatakarzinom verbunden und sollte nur bei gegebener Indikation und keineswegs leichtfertig eingesetzt werden.

Die Hormonersatz-Therapie bei Frau und Mann hat durch die Entwicklung der Hormonpflaster und -Gele entscheidend bessere Therapieformen ermöglicht, die Weiterentwicklung von langwirksamen Hormon-Implantaten (Depotpräparaten) wird noch weitere Verbesserungen bringen. Die Entwicklung sog. Hormon-Analoga (selektive Östrogen-Antagonisten) hat entscheidende Verbesserungen für die Behandlung des Östrogen abhängigen Mamma-Karzinoms gebracht. Testosteron-Abkömmlinge befinden sich noch im Zustand der Forschung, als Testosteron-Blocker ist Cyproteron schon lange bekannt und wird zur Behandlung bei erhöhter Anzahl männlicher Hormone (Hyperandrogenämie mit vermehrter männlicher Behaarung, Akne) benutzt.

Wachstumshormone werden bei Wachtumshormon-Mangel sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter mit Erfolg eingesetzt. Wachstumshormon-Hemmer (Somatostatine) haben bei der Behandlung der Akromegalie und bei der Behandlung hormonell aktiver Tumoren des Darmes oder der Lunge eine große Bedeutung. Als Neuentwicklung ist ein Wachstumshormon-Rezeptor-Hemmer (Pegvisomant) zur Behandlung der Akromegalie zugelassen worden. Gonadotropine werden bei der Therapie bei unerfülltem Kinderwunsch eingesetzt, Analoga der Gonadotropinehaben als Verstärker (Agonisten) oder Hemmer (Antagonisten) eine große Bedeutung bei der Behandlung hormonabhängiger Tumoren (Prostata-, Brust- und Eierstock-Krebs) und der Therapie bei unerfülltem Kinderwunsch.
Cortison ist hauptsächlich bekannt durch seinen Einsatz bei der Behandlung von chronischen Gelenkerkrankungen (Arthrose, Rheuma) und Immunerkrankungen. Ebenfalls zum Einsatz kommt Cortison bei Nebennieren-Unterfunktion und vermehrter Androgenproduktion der Nebennieren mit Vermännlichung (Hyperandrogenämie).

Da die Nebenwirkungen der Cortisontherapie stark dosis- und zeitdauerabhängig sind, sollten Dosierung und Verteilung zwingend von einem Spezialisten vorgenommen werden. Die zahlreichen Cortison-Präparate sind nach Wirkungsdauer, Wirkungsart (Immun-, Entzündungshemmung) und Wirkstärke zu unterscheiden. Neu ist die Hormonersatz-Therapie mit Dehydroepiandrosteron (DHEA) bei nachgewiesener Nebennieren-Unterfunktion zusätzlich zur Cortison-Gabe. Die Gabe von DHEA bewirkt eine Zunahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit (Konzentration, Gedächtnis, Stimmung und Wohlbefinden) sowie sexuellen Aktivität. Als Nebenwirkung kann es bei der Frau dosisabhängig zu einer geringen Androgenisierung kommen (Akne, Körperbehaarung).

Der Einsatz von Hemmern der Cortisol-Synthese (Aromatase-Hemmer) der Nebenniere spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung des fortgeschrittenen Mamma-Karzinoms. Bei der Cortisol-Überproduktion der Nebenniere (Cushing) ist die Therapie (Lysodren, Ketokonazol) nur wenig wirksam.

Androgen-Antagonisten (Testosteron-Blocker) werden zum Senken der erhöhten Zahl von Androgenen bei der Frau und beim Mann in der Behandlung des Testosteron abhängigen Prostata-Karzinoms eingesetzt.

Aldosteron- und Renin-Antagonisten werden zur Therapie des Hochdrucks (Hypertonie) erfolgreich verwendet. Neben dem schon lange bekannten Aldosteron-Antagonisten Spironolacton, das sowohl als Anti-Hypertensivum und Diuretikum als auch als Antiandrogen in der Therapie des Hirsutismus eine wichtige Rolle spielt, ist neuerdings Eplerenon als selektiver Antagonist in der Therapie des Bluthochdrucks und der Herzinsuffizienz von Bedeutung. Als Renin-Antagonist wird Aliskiren bei diesen Indikationen genutzt.

Die antihormonelle Therapie der Mamma- und Prostata-Karzinom Erkrankungen hat wegen der zunehmenden Häufigkeit und regionalen Unterschiedlichkeit einen hohen Stellenwert in den Therapie-Leitlinien.

Aromatase-Hemmer wie Exemestan sind bei der Therapie des hormon-positiven Mammakarzinoms wichtig. Denn diese steroidalen Aromatase-Eplerenon-Hemmer binden irreversibel an die aktive Bindungsstelle der Aromatase. Nicht-steroidale Aromatasehemmer wie Anastrozol und Letrozol dagegen hingegen binden reversibel an den Hämanteil der Aromatase.

Östrogen-Antagonisten wie Tamoxifen und Raloxifen haben in der Therapie des östrogen-positiven Mammakarzinoms eine große Bedeutung in der Langzeittherapie. Testosteron-Antagonisten (Finasterid bei benigner Prostatahyperplasie bzw. bei androgenetischer Alopezie bei Männern und Dutasterid bei Prostatahyperplasie) eine gut belegte Wirkung.

Über die Hormon-Ersatztherapie bei alternden Menschen wird (in der Publikums-Presse) sehr viel geschrieben, da die Altersverteilung, auch aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung, sich deutlich in Richtung der höheren Altersgruppen verschoben hat.

Die Veränderung der Hormone im Alter zeigt eine deutliche Verbindung mit der Sterblichkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen und Ergebnisse bzgl. Wirkungen und Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie im Alter fehlen aber noch weitgehend.

Unter der Bezeichnung „Life-Stile-Drogen" werden bereits in großem Umfang Hormone verordnet, ohne dass die dafür erforderliche fachliche Qualifikation gegeben oder eine differenzierte Untersuchung erfolgt wäre. Die Therapie von sog. Befindlichkeitsstörungen sollte deutlich von der Therapie wirklicher Hormonstörungen getrennt werden. Dieses gilt umso mehr, wenn die dem Patienten selbst möglichen Veränderungen der Ernährung, der körperlichen Ertüchtigung und der Lebensweise nachweisbar zum selben Ergebnis führen wie eine immer mit dem Risiko von Nebenwirkungen verbundene Hormonersatztherapie. Die für eine solche Therapie bei Mann und Frau am häufigsten verwendeten Hormone sind: DHEA, Östrogene und Testosteron, Wachstumshormon, Melatonin sowie Pregnenolon. Neben den Hormonen wird eine Vielzahl an Vitaminen und Spurenelementen eingesetzt. Da über die meist stress- oder altersbedingten hormonellen Veränderungen noch zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen zur Ursache bekannt sind, ist das einfache Anheben eines aus unklaren Gründen niedrigen Hormonwertes mit einem großen Gefahrenpotenzial für den Patienten verbunden und darüber hinaus mit mehr als unklaren Erfolgsaussichten. Es sollte deshalb die Aufgabe der auf die Hormontherapien spezialisierten Endokrinologen sein, hier Wildwuchs zu verhindern und entsprechendes Engagement in geeignete Bahnen zu leiten.